Ⓒ © Andreas Buchberger | © Franz&Sue │Andreas Buchberger
Holzbau und Fassaden

Starschuppen

Franz & Sue sind nach eigenen Angaben nicht nur eine nette Crew, sondern können auch Kung-Fu und fragen: für wen, wieviel, wozu? Ersteres glaubt man dem Architekturbüro gerne, Zweites lassen wir dahingestellt, aber Letzteres ist zweifelsfrei bewiesen. Ihrem ganz großen Mini-Projekt „verwunschener Schuppen” sieht man auf den ersten Blick an, dass Franz&Sue die richtigen Fragen gestellt haben.

© Franz&Sue │Andreas Buchberger
© Franz&Sue │Andreas Buchberger

Hohe Föhren, alte Obstbäume, dichte Oleanderbüsche; eine alte Villa mitten im Wienerwald: Ihr Zauber soll erhalten bleiben, doch das Wohnkonzept, die Raumgestaltung müssen revolutioniert werden, um zeitgemäß zu sein. Das ist großes Kino für jede(n) Architekt/-in. Doch der wahre Star ist hier nicht die Villa, sondern ein Nebendarsteller: der alte, halb verfallene Schuppen, der fast abgerissen worden wäre und jetzt für das große „Wow” sorgt. „Die Handwerker im Dorf wollten den schwarzen Schupfen aus dem 1934er-Jahr eigentlich abreißen”, erzählt Projektleiterin Anna Ladurner. „Doch uns gefiel das alte Nebengebäude.”

Wertschätzung und Moos

Keller oder gar Garagen konnte sich damals, Anfang der 1930er, kaum jemand leisten. Also zimmerte man Schuppen, wo Holz gelagert, Hasen gezüchtet und Wäsche ausgekocht wurde. Diese Nebengebäude, die so nützlich für den Haushalt waren, hat man früher wertgeschätzt. Die Arbeit von Franz&Sue nimmt diese Wertschätzung mit in die Gegenwart: Der neue „alte Schuppen” bietet zwar Raum für ganz andere Tätigkeiten, ist aber für die Bewohner genauso nützlich und wertvoll. Er dient ihnen als magischer Rückzugsort, Schreibwerkstatt, Kinderparadies und bei Bedarf auch als abenteuerliches Gästezimmer mit eingebautem Hochbett. Kurz: Er lässt keine Wünsche offen. „Wir haben auf der Breitseite des Dachbodens eine großzügige Glasscheibe eingesetzt, den Dachstuhl behutsam gedämmt und die Wände mit Fichtenholz verkleidet”, erklärt Ladurner. Die helle Fichte hätte aber nicht zum antiken Charme der Villa und des Gartens gepasst, deshalb wurde sie außen dunkel eingelassen mit einer Lasur auf Steinöl- Basis. „Das Dach haben wir nicht angefasst. Es ist voller Moos und das gefällt uns.”

Hell und heiter

Ganz anders sieht es im Inneren aus: Hier ist alles hell und klar. Dafür sorgt nicht nur die flächendeckende Glasscheibe, sondern auch die hellgraue Innenlasur Lignovit UV100. Sie verleiht den mit offenen Fugen quer verlegten Latten Leichtigkeit und Eleganz, lässt den kleinen Raum einladend und weit wirken, schafft die richtige, heitere Atmosphäre für spielende Kinder genauso wie sinnende Schreiber und willkommene Gäste. Wer auch immer sich auf dem wohnlichen Dachboden aufhält, hat durch die Seitenwand aus Glas freien Blick auf Vögel und Eichkätzchen in den Baumkronen. Durch eine Falltür aus edlem Messing tritt man ein in diese ruhige Parallelwelt, die Franz&Sue geschaffen haben. Das Messing der Tür wird abends angestrahlt, wodurch ein warmes Licht entsteht – auch im eiskalten Winter, wenn das unbeheizte Refugium zum Ausdampfen nach der Sauna dient. Unten stehen weiterhin Gartengeräte, Rasenmäher und Obststeigen. Oben ist es gemütlich, zauberhaft, einfach wow. Kein Wunder, wenn die Lichter in der Villa meistens ausbleiben und nur der kleine Schuppen daneben von innen heraus in den Wienerwald leuchtet.

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